Geöffneter Zählerschrank mit farblich markiertem Zähler, Kommunikationsmodul und erwarteten Plombenpositionen; Geräteangaben unkenntlich gemacht.

Pilotprojekt

Bevor KI prüft, muss klar sein, was geprüft wird

Kunde

Dienstleister im Messstellenbetrieb

Region

Deutschland

Branche

Messstellenbetrieb

Leistungsfeld

Custom Energy Applications

Im Messstellenbetrieb entstehen täglich hunderte Auftragsfotos: Zähler, Verplombung, Antenne, Gerätenummer. Geprüft werden sie von Hand. Übersehene Mängel führen zu Beanstandungen und Nacharbeit. Die naheliegende Idee lautet, ein KI-Modell darauf anzusetzen. Die eigentliche Arbeit liegt woanders.

Warum ein Modell allein die Frage nicht beantwortet

„Ist die Anlage ordnungsgemäß verplombt?" klingt nach einer Bildfrage. Sie ist es nicht. Damit die Frage überhaupt beantwortbar wird, muss vorher mehreres feststehen: welcher Prüfauftrag vorliegt, welche Bilder zu dieser Akte gehören, welches Gerät von mehreren sichtbaren das relevante ist, und welche Merkmale an welchen Positionen bei genau diesem Gerätetyp erwartet werden.

Erst danach wird aus einer Aufnahme ein Befund. Und ein Befund ist noch keine Entscheidung: Ein unsicheres Ergebnis darf nicht zu einem erzwungenen Ja oder Nein führen, sondern zu einer definierten Folgeaktion.

Was die Vorprüfung ergeben hat

Wir haben 250 Auftragsfotos gesichtet, von Hand gelabelt und analysiert. Daraus entstanden 783 ausgewertete Bildregionen und ein strukturierter Katalog aus über tausend Einträgen — Zähler, Plomben, Kommunikationsmodule, Gerätenummern, Antennen.

Das erste Ergebnis war eine Korrektur der Fragestellung. Die Prüfvorgänge sind keine Bildklassifikation, sondern Detektions-, Lese- und Regelaufgaben. Ob eine Verplombung vollständig ist, entscheidet sich oft an einer einzelnen Plombe in einer Gesamtaufnahme. Und die Bildqualität begrenzt jede Aussage über kleine Objekte stärker als die Wahl des Modells — der größte Hebel liegt in der geführten Aufnahme vor Ort.

Daraus wurde ein belastbarer Arbeitsstand: Prüfvorgänge, die fachlich so beschrieben sind, dass sie messbar und später abnehmbar werden. Jeder mit einem Soll-Katalog je Gerätetyp und einer definierten Folgeaktion im bestehenden Prozess — weiterführen, neues Bild anfordern, manuell klären.

Was im Pilot passiert

Der Pilot überführt diesen Arbeitsstand in einen lauffähigen Prüfprozess: vom Bild über den technischen Befund bis zum nächsten Schritt im Auftrag. Gemessen werden Erkennungsqualität, Laufzeit und Betriebskosten an echten Aufträgen — nicht an einer Demo.

Der technische Aufbau trennt dabei die Schritte, statt alles einem einzelnen Modell zu überlassen: Bildqualität und Auswertbarkeit, Lokalisierung der relevanten Objekte, Lesen von Nummern und Ständen, Abgleich gegen den Soll-Katalog, und zuletzt die Entscheidungslogik, die daraus eine Folgeaktion macht. Jeder Schritt darf sich enthalten, statt zu raten.

Sechsstufige Prüfkette von der Auswertbarkeit des Bildes bis zur Frage, ob der Befund für eine automatische Entscheidung ausreicht.

Sechs Fragen stehen zwischen einem Foto und einer Entscheidung.

Warum wir dieses Projekt zeigen

Es zeigt, wie wir an KI-Fragen herangehen. Nicht mit der Auswahl eines Modells, sondern mit dem Modell des fachlichen Prüfprozesses. Was unsicher bleibt, wird als unsicher behandelt und bekommt einen definierten nächsten Schritt — nicht eine geratene Antwort.

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Ob Prognose, Portfoliosteuerung oder individuelles Cockpit: Wir starten mit Ihrer konkreten Fragestellung und bauen die Anwendung, die dazu passt.

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